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Coverabbildung von "Kilimandscharo zweimeteracht"

Max Blaeulich - Kilimandscharo zweimeteracht

Ein Afrika-Roman als Spiegelbild europäischer Geschichte

Österreich-Ungarn am Vorabend des Ersten Weltkriegs: Vier Weiße machen sich auf nach Uganda, jeder der vier mit eigenen Zielen. Stackler zum Beispiel, der Physiologe, vermisst Afrika über die Körperteile seiner Ureinwohner und ist auf der Suche nach Monstrositäten. Eine solche findet er in seinem Träger – zwei Meter acht groß -, den er kurzerhand Kilimandscharo nennt und für seine rassenkundlichen Forschungen mit nach Wien nimmt. Bis Stackler das Interesse verliert, das Aufsehen in der Wiener Gesellschaft abklingt und er Kilimandscharo zurückschickt: entwürdigt, entwurzelt, in Trachten-Lederhosen mit Hirschhornknöpfen. Wie im Falle Stackler kommt auch in den Forschungsinteressen aller anderen bald ein privater Wahn zum Vorschein, der keine Rücksichten mehr kennt, geprägt ist von Rassismus und kolonialistischem Herrenmenschengehabe und der Anmaßung zivilisatorischer Überlegenheit. Max Blaeulich entwirft in diesem kühnen Roman auf der Grundlage historischen Materials das Bild einer zutiefst dekadenten Gesellschaft, die die großen Katastrophen, in denen sie untergehen sollte, aus der Pervertierung ihrer Werte selbst hervorbringt. So ist der so genannte wilde Kontinent, das Ziel der Reise, zugleich auch der Ort, an den sie zurückkehrt.

Erhältlich als

  • Hardcover
    256 Seiten
    Format: 110 x 190
    ISBN: 9783701714247
    Erscheinungsdatum: 01.09.2005
    19,90 inkl. MwSt.
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Produktdetails

Autor
Max Blaeulich

geboren in Salzburg, Kaufmannslehre, Studium der Germanistik und Kunstgeschichte. Tätigkeit als Antiquar und Mitarbeit bei verschiedenen Literaturzeitschriften. Zahlreiche Veröffentlichungen als Autor, Herausgeber und Verleger der Edition Tartin. Als bildender Künstler Ausstellungen seit 1980. Blaeulich lebt in Salzburg und wurde 2009 mit dem Buchpreis der Salzburger Wirtschaft ausgezeichnet. Bei Residenz sind die drei Bände seiner "Menschenfresser"-Trilogie erschienen: "Kilimandscharo zweimeteracht" (2005), "Gatterbauerzwei oder Europa überleben" (2006), "Stackler oder Die Maschinerie der Nacht" (2008), "Unbarmherziges Glück" (2014).

Pressestimmen
Max Blaeulich ist eine insgeheime Institution hierzulanden – das Salz in einer leider etwas dünn gewordenen austriakischen Buchstabensuppe. Kilimandscharo zweimeteracht – der erste Teil einer Trilogie des Abgrunds – zeigt uns als Roman einer Uganda-Expedition im Jahre 1912 das dunkelste Herz Österreichs und seine Gegenwartsgeschichte im Spiegel. Wer glaubt, dieses schwarze Kapitel zu kennen, irrt; wer’s nicht kennt – und das sind wohl die allermeisten von uns – der soll’s lesen!
RAOUL SCHROTT

Virtuos verknüpft Blaeulich in seinem Roman historische Tatsachen mit literarischer Phantasie. Zwischen Rassenwahn und Traum durchstreifen die Abgesandten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die Weiten Ugandas. Das Herz der Finsternis ist ihr eigenes.
Paul Jandl, NZZ

Die Grundlage für Blaeulichs Erzählen ist historisches Material ... Er agiert dabei so virtuos-grotesk, dass man nicht immer weiß, was Wirklichkeit und was ironische Anmerkung ist. Aus diesem Spannungsverhältnis bezieht der Text auch seine eigentümliche Wirkung, und der Leser wird es zu danken wissen, diese der Dokumentation und Narration gleichermaßen geschuldete Form als innovativen Roman zu erkennen. Denn am Ende hat man nicht bloß ein respektables Buch gelesen, sondern wirklich gute Literatur!
Gerhard Zeillinger, DIE PRESSE

Das ist ein Buch, das unsere Selbstherrlichkeit zurückstutzt. Um großartige Lektüre handelt es sich sowieso.
Anton Thuswaldner, SALZBURGER NACHRICHTEN

Es ist eine Freude, was die österreichische Literatur zurzeit zu bieten hat. Zum Beispiel der Salzburger Max Blaeulich. Das muss man sich erst einmal trauen!
Peter Pisa, KURIER

In einer meisterhaften Sprache und gestützt auf faktenreiche Recherche legt der Autor einen sensationellen, ungewöhnlichen Afrika-Roman vor. Pflichtlektüre.
Sylvia Treudl, BUCHKULTUR

... aufregend und verstörend ...
Ernst Grabovszki, WIENER ZEITUNG

Wenn der Autor seine Gabe zur Übertreibung einmal nicht auf allzu Grausames und Absonderliches anwendet, gelingen ihm Dialoge und Schilderungen auf originelle, überraschende Art; elegant und geräuschlos schlüpfen die Sätze schlangengleich ins Leserauge.
Christian Lorenz Müller, Literatur & Kritik

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