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Max Blaeulich - Gatterbauerzwei oder Europa überleben

ALS SKLAVE NACH EUROPA VERSCHLEPPT, Mitbringsel einer Afrika-Expedition, sucht Gatterbauerzwei, neben Alois Gatterbauer zweiter Diener seines Herrn, seine Heimat Uganda. Er landet über Um- und Irrwege in Ungarn, geht vor die Hunde, wird schließlich aufgegriffen und soll im Haus des Grafen Pallavicini zum kultivierten, katholisch bekehrten Salondiener gemacht werden. Er lernt schnell, Umgangsformen, Kellnern, Deutsch –aber er lernt vor allem eines: zu hassen. Als in Serbien Thronfolger Franz Ferdinand ermordet wird und der Erste Weltkrieg losbricht, ist er auf seine neue Rolle gut vorbereitet: Er zieht in den Krieg – für einen fremden Kaiser, einen fremden Gott, ein fremdes Vaterland. Wie überlebt man Europa, den wilden Kontinent, den permanenten Krieg im Herzen der Finsternis? Und was bedeutet Menschlichkeit, wo der Mensch nichts weiter ist als ein Spielball fremder Mächte – Sklave, Soldat, Schauobjekt, Lustobjekt, Ware? Max Blaeulich entwirft auf der Grundlage penibel recherchierten historischen Materials das Bild einer zutiefst verkommenen Gesellschaft: Europa, eine Kultur, deren Werte von rassistischer Arroganz und Profitgier pervertiert sind und die mit Pomp und Trara und über Leichen von einer Katastrophe in die andere stolpert.

Erhältlich als

  • Hardcover
    336 Seiten
    Format:110 x 190
    ISBN: 9783701714513
    Erscheinungsdatum: 01.08.2006
    19,90 inkl. MwSt.
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Produktdetails

Max Blaeulich

geboren in Salzburg, Kaufmannslehre, Studium der Germanistik und Kunstgeschichte. Tätigkeit als Antiquar und Mitarbeit bei verschiedenen Literaturzeitschriften. Zahlreiche Veröffentlichungen als Autor, Herausgeber und Verleger der Edition Tartin. Als bildender Künstler Ausstellungen seit 1980. Blaeulich lebt in Salzburg und wurde 2009 mit dem Buchpreis der Salzburger Wirtschaft ausgezeichnet. Bei Residenz sind die drei Bände seiner "Menschenfresser"-Trilogie erschienen: "Kilimandscharo zweimeteracht" (2005), "Gatterbauerzwei oder Europa überleben" (2006), "Stackler oder Die Maschinerie der Nacht" (2008), "Unbarmherziges Glück" (2014).

Pressestimmen

Eine grandiose, ausufernde Groteske über die allumfassende Verdorbenheit der Gesellschaft ...
[BERLINER ZEITUNG]

Wer noch einmal von den humanistischen Werten des europäischen Abendlandes faselt, der bekommt Max Blaeulichs „Gatterbauerzwei“ in die Hand gedrückt: Erst lesen, dann weiterreden! Wahrscheinlich wird der Betreffende dazu nicht in der Lage sein, denn dieses Buch verschlägt einem die Sprache. (...) Bei allem Sarkasmus ist Max Blaeulich ein Autor, der nicht nur mit der Sprache virtuos zu spielen weiß, sondern der auch eine Realitätsfülle und Drastik aufweist wie nur ganz wenige.
[PASSAUER NEUE PRESSE]

Manchmal kommt es vor, dass man noch während des Lesens eines Buches Freunden oder Bekannten bereits davon erzählt. Es gibt Neues zu berichten, die Faszination über unerwartete Einsichten oder bloß seltsame Geschichten mitzuteilen, die Freude darüber auszudrücken, dass man sich wirklich angesprochen fühlt. Und dann ist man nach Abschluss der Lektüre plötzlich sprachlos, weiß das Ganze nicht recht einzuordnen oder ist schockiert, weil man erst jetzt bemerkt, dass man in einen offenen Abgrund geschaut hat. Der neue Roman des Salzburgers Max Blaeulich "Gatterbauerzwei oder Europa überleben" hat bei mir all das ausgelöst.
[Helmut Sturm, LITERATURHAUS.AT]

Das Dostojewski-Motto stimmt auf eine groteske Tonlage ein. Blaeulich ist ein Meister dieses Fachs, und er befindet sich in bester Gesellschaft: Gogol, Canetti, Gombrowicz, Carlo Emilio Gadda, Sergio Pitol, um nur ein paar Namen zu nennen. Das groteske Genre wiederum ist eine der Blüten barocker Kunst. Als Barockautor erweist sich Blaeulich nicht nur durch seine Figurenzeichnung, sondern auch durch die schweifende, abschweifende, Schräglagen suchende Erzählweise.
[Leopold Federmaier, NZZ]

Fulminant erzählt mit interessanten Detailkenntnissen, Innenansichten des Krieges und menschenverachtender Mentalität. Immer noch aktuell, darum dringend empfohlen.
[Quelle: Fritz Popp, BIBLIOTHEKSNACHRICHTEN]

Schonungslos, radikal, grotesk und (selbst-)ironisch begegnet uns auch Blaeulichs zweites Buch.
[Quelle: Iris, BLLV MÜNCHEN]

 

Weitere Bücher des Autors / der Autorin

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Hitler ist an der Macht, aber noch nicht in seiner Heimat. Dort wartet man darauf, ins Reich „heimzukehren“, voll Hoffnung die einen, voll Angst die anderen. Stackler ist keiner, der gerne wartet, und er kennt vor allem keine Angst. Der „illegale“ Nazi rüstet sich für seine große Stunde: Stackler will als Leiter des Instituts für Rassenforschung den neuen Menschen schaffen, auf universitärem Boden für reines Blut sorgen, ausmerzen. Dass ihn „das Fräulein März“, die ihm nicht nur wissenschaftlich zu Diensten ist, zum Vater eines illegitimen Kindes macht, kommt ihm dabei sehr ungelegen. Aber wozu kennt einer wie Stackler den Wert des Lebens … „Gestatten, Professor Stackler, Physiologe.“ Wer sich so schneidig und zackig vorstellt, weiß vor allen anderen, wo es langgeht, und macht seinen Weg im Stechschritt: die Karriereleiter hinauf, von einem Reich ins andere, von einer Republik in die andere und immer über alle Leichen hinweg. Im Herzen des Herzens der Finsternis: Max Blaeulich schließt seine Trilogie über das wilde Europa ab – ein Werk, das in der deutschsprachigen Literatur keinen Vergleich kennt: schonungslos, kühn, radikal.

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