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Highlights

- CHRONIK EINES AUSNAHMEZUSTANDS

Residenz-Autor*innen bloggen – Tag für Tag neu. #alleswirdgut

    14. April 2020

    Georg Fraberger, Langau bei Geras


    Gedanken zur Krise

    Die Tage verfliegen. Mit Schrecken lese ich im Internet, was anderswo passiert, und bemerke, dass ich mich für meine Freude über meine eigene Situation beinahe schäme. Es herrscht derzeit eine derartige Harmonie in meinem Alltag, dass ich wünschte, die Zeit bliebe stehen. Es gibt Tage, an denen führe ich nur ein oder zwei Telefonate. Früher waren es oft an die zwanzig pro Tag, manchmal mehr. Ich versuche mich so gut es geht nur mehr auf das zu konzentrieren, was mir wirklich wichtig ist. Hierzu zählt die Seele. Mit wie wenig materiellen Dingen so eine Seele auskommt, ist manchmal schon erstaunlich.
    Ich denke, dass die Krise uns die Möglichkeit gibt, den Wert der Dinge zu verändern. Wenn ich nämlich arbeite, um Geld zu verdienen, ist es das Geld, das als wertvoll erachtet wird. Wenn der Staat, so wie jetzt, auch dann Geld zur Verfügung stellt, wenn man seiner Arbeit nicht nachgehen kann, gibt es die Chance, dass die Arbeit selbst als wertvoll erachtet wird.
    Ostern: Gestern haben wir gemeinsam mit den Kindern die Passion Christi angesehen. Es war das erste Mal, dass wir uns mit den Kindern so intensiv mit dem Thema von Gut und Böse auseinandergesetzt haben. Es war unser erstes wirklich entspanntes Ostern. Und das, obwohl die Suche nach den Ostereiern bereits um knapp nach 6 Uhr in der Früh begonnen hat. Wenn ich mich erinnere, wie das früher war mit dem Osterfeuer, der Kirche, und dieser festlichen Stimmung, so wird mir ganz warm ums Herz. Mir fehlt doch etwas.

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    10. April 2020

    Georg Fraberger, Langau bei Geras


    Die Zahlen der Toten steigen und damit auch meine Freude, dass ich in Sicherheit sein kann. Die meisten Menschen, denke ich, sind froh, wenn sie gesund und dem Virus nicht ausgesetzt sind. Dennoch lese ich immer wieder darüber, dass das Virus die Aufgabe habe, die Welt von den Alten und Schwachen zu befreien. Diese Meinungen machen mich total sprachlos. Ich frage mich, für wen gibt es denn Ärzte, wenn nicht für die alten und kranken Menschen? Mit Schrecken bemerke ich, dass in einer Ausnahmesituation plötzlich auch solche Behauptungen eine Berechtigung bekommen. Eigenartig.

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    3. April 2020

    Georg Fraberger, Langau bei Geras


    Corona-Gedanken

    In meinen Gedanken versuche ich etwas zu finden, das mehr ist als der Alltag, der derzeit herrscht. Zu Hause bleiben kann dann eine Gefahr werden, wenn sie zum Exil des Lebens wird. So versuche ich also etwas zu denken, das mich am Leben hält. Lebendig bin ich ja trotzdem. Camus habe ich ein wenig zur Seite gelegt und durch Aristoteles ersetzt. Ein paar Gedanken zur Seele tun auch nicht schlecht. Was soll ich tun?
    Heute denke ich über alles nach. Allerdings nimmt mich die Familie so sehr in Anspruch, dass ich kaum dazu komme. Aber morgen ist der Geburtstag meines Sohnes und so stellt sich die Frage nach seinen Bedürfnissen, nach dem, was in der derzeitigen Wirtschaftslage Grundbedürfnisse sind. Der heutige Online-Einkauf jedoch hat uns auf die Idee gebracht, noch eine zusätzliche Kleinigkeit zu kaufen. Ist die Wirtschaft der Motor des Landes oder unsere Bedürfnisse? Die Frage, was jemand kostet, ist irrelevant, denn jeder Mensch kostet etwas und jeder Mensch bringt etwas. Insofern Ist die Frage nach der Wirtschaftlichkeit oder danach, wie man die Wirtschaft wieder ankurbeln kann, eigentlich die Frage, wie sich die Wirtschaft an unseren Bedürfnissen orientieren kann.
    Der erste Geburtstag, den wir wirklich in Isolation verbracht haben. Leute haben angerufen oder per Video gratuliert. Trotzdem war’s sehr harmonisch. Es ist eine Zeit, von der ich mir einerseits denke, dass sie härter ist, aber nicht weil sie unfairer ist, sondern lediglich, weil sie ehrlicher ist. Sie zeigt mir schonungslos, wie ich mir mein Leben aufgebaut habe. Und ich denke, das trifft nicht nur auf mich zu. Für jeden, der mit jemandem zusammenlebt, den er wirklich liebt, für den kann diese Zeit der Isolation eine wunderbare Zeit sein. Jeder, der einen Kompromiss eingegangen ist, lebt jetzt ein kompromissloses und schonungsloses Aufeinanderkrachen.
    Es ist den ganzen Tag etwas los und trotzdem komme ich mir sehr unproduktiv vor. Mein Tag ist nicht voll von lauter Aufgaben, die ich nicht mag, sondern gefüllt mit allem, was ich mag. Jede Beschäftigung ist mit einem Menschen verbunden und es gibt, bis auf die körperlichen Bedürfnisse, kein Muss. Ich habe fast ein schlechtes Gewissen, das Leben jetzt so zu genießen. Was mir wirklich abgeht, sind Konzerte oder die Oper, die ich die vergangenen Jahre vernachlässigt habe. Vielleicht finde ich ja in meinem jetzigen Leben die Muße, irgendetwas Neues zu beginnen, ein Projekt, das mich mit Begeisterung und Leben füllt. Doch jede Beschäftigung würde mich von den Menschen, mit denen ich den ganzen Tag zusammen bin, ein klein wenig distanzieren. Dafür bin ich im Moment nicht bereit.

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    28. März 2020

    Georg Fraberger, Langau bei Geras


    Das Fieber ist vorbei und damit auch die Schonfrist für meine Frau. Übrig geblieben ist die kindliche Frage, wie man als Toter riecht. Übrig geblieben sind von den kindlichen makabren Fragen jedoch auch die grundsätzlichen Fragen: Bin ich am richtigen Ort? Bin ich glücklich? Was brauche ich für mein Glück? Seltsam ist, das ich zwar immer noch Wünsche habe-  wie zum Beispiel ein Computer, ein Handy, ein Auto -, dass ich aber wieder Autofahren möchte noch vor dem Computer sitzen noch soviel telefonieren. Eigentlich möchte ich zu Hause sein und meinen Alltag genießen können. Die Frage ist also: Wie kann mir das gelingen?

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    27. März 2020

    Georg Fraberger, Langau bei Geras


    Eintrag Nummer vier: Tagsüber wurde bei uns immer wieder thematisiert, ob das Fieber meiner Frau zu ihrem Tod führen werde… Kinder stellen sehr naive Fragen, ohne sich dabei etwas zu denken. Ich hoffe nicht, war stets meine Antwort. Tagsüber sind diese Fragen locker aus dem Mund der Kinder gekommen. Erst nachdem es dunkel wurde, sind mit dieser Frage auch ein paar Tränen und Ängste gekommen. Dann konnte ich auch sicher sagen: Ich weiß, dass das nicht passieren wird. Sie hat nur Fieber, weil sie wahrscheinlich zu dünn angezogen war, Kontakt hatten wir eigentlich mit niemandem.
    Mittlerweile fehlt mir die Arbeit, der Austausch mit Menschen, der mich auch zum Denken anregt. Ich bin also mit meinen eigenen Gedanken konfrontiert, die mir mittlerweile auf die Nerven gehen. Ich will etwas Neues denken. Aber was kann man neu denken, wie kann man sich selbst in einem anderen Licht sehen? Wie kann ich meinen Alltag, meine Möglichkeiten, meine Sorgen und meine Ängste neu denken? Mir ist schon bewusst, dass ich weit mehr bin als meine Ängste und meine Sorgen, aber was ist das weite Meer und wie kann ich das mit Leben füllen? Als Psychologe bin ich gewohnt, im Austausch zu leben. Dieser Austausch ist nun etwas reduziert. Es ist schon spät und deswegen habe ich jetzt die Hoffnung, dass ich vielleicht in der Nacht ein paar inspirierende Träume haben werde.

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    26. März 2020

    Georg Fraberger, Langau bei Geras


    Der heutige Tag hat eigentlich sehr gut begonnen. Ich habe es genossen, so viel zu Hause zu sein. Wir waren einkaufen, die Kinder haben Hausübungen gemacht, und es war sehr angenehm und sehr schön. Doch am Nachmittag hat meine Frau Fieber bekommen. Spätestens jetzt wird auch die gelassenste Seele von der Stimmung und dem Schauer ergriffen, der die Welt derzeit beherrscht. Weil das Vertrauen in die scheinbare Sicherheit plötzlich weg ist. Was ist, wenn es doch das Virus ist? Das ist die große Frage. Doch woher kommt es? War es vielleicht als Paket verkleidet? Haben wir uns im Geschäft an irgendeinem Menschen angesteckt? Aber wir haben doch niemanden gegrüßt, wir sind doch sonst nicht außer Haus gegangen? Oder wenn, dann nur zu spazieren? Vielleicht bringen ihn die Katzen, wenn sie zum Nachbarn gehen? Aber der ist doch gesund - zumindest sieht er gesund aus. Man wird wirklich zum Hypochonder. Am besten ist es, wenn wir den Computer in den nächsten Tagen gar nicht mehr aufdrehen. Schon eigenartig, wie 1 bis 2 °C das ganze Leben verändern können…

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    24. März 2020

    Georg Fraberger, Langau bei Geras, NÖ

     

    Zweiter Eintrag: Die Zeit ist ein interessantes Phänomen. Eigentlich haben wir jetzt Zeit, die ganze Familie ist beisammen, und wir haben den ganzen Tag, um zu tun und zu lassen, was immer wir auch wollen. Zeit soll relativ sein und ist doch immer irgendwie an den Ort gebunden. Man sagt, wenn man viel unternimmt, dann vergeht die Zeit schnell. Doch die Zeit vergeht auch dann schnell, wenn man nicht viel unternimmt.
    Mein Tag ist voll, voll von Gefühlen der Freude darüber, dass ich gesund bin und dass wir alles haben, gefolgt von Gefühlen der Unzufriedenheit, gefolgt von Gefühlen, die einen Mangel ausdrücken, gefolgt von Streit, gefolgt von Stress, gefolgt von Wiedervereinigung, gefolgt von Müdigkeit und Erschöpfung. Und all das, obwohl kein Reiz von außen kommt. Nur die Nachrichten, und die sagen auch immer dasselbe. Die Isolation fühlt sich an wie der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Allerdings bin ich erst am zweiten oder dritten Tag. D.h. ich glaube noch, ich bin im falschen Film. 

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    23. März 2020

    Georg Fraberger, Langau bei Geras, NÖ

     

    Das neue Leben hat begonnen. Alles steht still, alle Pläne wurden auf Eis gelegt oder haben sich verändert. Kein Urlaub, kein Auto, keine Freunde treffen, kein gemütliches Essen gehen. Die Einschränkung fühlt sich gar nicht an wie eine Einschränkung, sondern eigentlich wie eine echte Erweiterung. So viel zu Hause wie jetzt war ich noch nie. Nicht, dass ich meine Frau in den vergangenen zehn Jahren nicht kennen lernen konnte. Aber so viel waren wir noch nie zusammen. Ein wenig Unsicherheit bleibt noch. Unklar ist nämlich, wie nah die Gefahr wirklich kommen wird. Wovor müssen wir uns fürchten? Um mich ein wenig damit auseinanderzusetzen, lese ich „Die Pest“ von Camus. Ein Buch, das gut zur derzeitigen Stimmung passt. 

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    Bücher von Georg Fraberger

    Coverabbildung von "Wie werde ich Ich"

    Georg Fraberger - Wie werde ich Ich

    Zwischen Körper, Verstand und Herz

    Wir werden dazu erzogen, gleichzeitig frei zu sein und das zu tun, was andere von uns wollen. Eine Beziehung, also ein WIR, besteht aus zumindest zwei ICH. Doch woher weiß man, dass man sich für das richtige WIR entscheidet? In Sachen Arbeit, Liebe und Freizeit orientieren wir uns immer daran, was sich gut anfühlt oder gesund wirkt. Aber wer hat nun recht: Körper, Verstand oder Herz? Wie werde ich Ich und wer bin ich? Der Bestsellerautor Georg Fraberger zeigt anhand von Fallbeispielen aus seiner beruflichen Praxis auf, wie man seine Bedürfnisse in harmonischem Gleichklang mit sich selbst und der Gesellschaft leben kann.

    Coverabbildung von "Erfolgreich lieben"

    Georg Fraberger - Erfolgreich lieben

    Wie man ein glückliches Paar wird und es bleibt

    Eine Liebesbeziehung ist ein Tausch, bei dem ein Mensch etwas von sich gibt, um mit einem anderen Menschen mehr zu werden. Doch dieser Austausch ist nicht einfach. Oft gibt es innere Widerstände, der Verstand kann gegen die Liebe oder den Lebenspartner sprechen, während der Körper damit nicht übereinstimmt und beim Anblick des Partners schwach wird, weiche Knie oder Verlustängste bekommt. Innerhalb einer Beziehung kann die Liebe aus dem Lot geraten. Doch es gibt Wege, um die Liebe als intensiven Austausch, ohne Anstrengung, ohne Zwang und ohne Muss zu erleben. Georg Fraberger analysiert Liebe und Sexualität und zeigt auf, wie man zu einer erfüllten Partnerschaft gelangt. Er beschreibt sehr offen die Beziehung zu seiner Frau und den Weg zu einer stabilen Ehe.