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- CHRONIK EINES AUSNAHMEZUSTANDS

Residenz-Autor*innen bloggen – Tag für Tag neu. #alleswirdgut

    3. April 2020

    Jana Beňová, Köszeg (Ungarn)


    Corona-mutierte Esel

    Der Schriftsteller Juraj Špitzer hat einmal gesagt, dass ein Intellektueller kein Problem damit hat, wenn er sich in Isolation befindet, es gibt nämlich immer etwas zu lesen, zu studieren, zu lernen. Ob dies für die Zukunft sinnvoll ist? Das ist schwer zu sagen, doch es ist an und für sich sinnvoll und beschert auf der Stelle Vergnügen.
    Ich bin jetzt zum Glück an einem Ort, wo ich nach draußen gehen kann, in den Wald, wo niemand ist und wo der Frühling mir das Gefühl gibt, dass nichts enden wird, ganz im Gegenteil – alles beginnt aufs Neue. (Ich denke, dass mich die Situation viel mehr in die Knie gezwungen hätte, wenn die Isolation im Januar begonnen wäre.) Ich habe einen guten Vorrat an Büchern um mich herum. Und die Quarantäne teile ich mit einem geliebten Wesen, mir geht es also bislang ziemlich gut. Und ich muss sagen, dass mich trotz des gefühlten Kriegszustandes, in dem sich die Welt befindet, auch etwas erfreut. Allein schon die Tatsache, dass wir wegen eines Virus zu Hause sitzen und nicht wegen irgendeiner Menschengruppe, die eine andere terrorisiert. Und dass jetzt nicht ein Teil der Gesellschaft zu Hause sitzen und aus Angst vor einem anderen Teil der Gesellschaft zittern muss. Davor, dass jemand einen selbst oder einen nahen Angehörigen zu Hause überfallen, irgendwohin entführen, vergewaltigen oder ermorden könnte. Wie in einem echten Kriegszustand. Oder in einem totalitären Regime. Ich bin froh, dass wir nicht in einem Staat leben, wo uns Politiker und Medien bewusst genau das Gegenteil von dem aufdrängen, was geschieht. Wie dies im April 1986 der Fall war, als Tschernobyl explodierte und eine Funktionärin des Gesundheitswesens im Fernsehen auftrat und allen versicherte, dass der Slowakei trotz aller bösartigen prowestlichen Informationen keine Gefährdung drohe und die Leute ruhig wieder raus und in ihre Kleingärten gehen könnten und die Kinder auf die Spielplätze, um dort Sandburgen zu bauen.
    Und ich denke, wenn wir uns danach an Corona erinnern werden, dann werden wir auch sehen, wie sich der Populismus und der Idiotismus in der Anzahl der Opfer und im Zustand des einen oder anderen Landes niedergeschlagen haben wird. Und welche führenden Personen als Corona-mutierte Esel daraus hervorgehen werden.

    Alle Autor*innen

    Bücher von Jana Beňová

    Coverabbildung von "Abhauen!"

    Jana Beňová Andrea Reynolds (Übersetzung) - Abhauen!

    Jana Benovás „Abhauen!“ ist ein schneller, wunderbar rebellischer Text, ein Roman, in dem sich lyrische Momente und unerwartete Wendungen abwechseln. Rosa , das Mädchen vom Hauptbahnhof, aufgewachsen im Plattenbau hinter den Geleisen, weiß: Sie muss abhauen, den Alltag hinter sich und Träume wahr werden lassen, aufbrechen ins Unbekannte, unterwegs sein, egal wohin. Auch die erwachsene Rosa, nunmehr verheiratet mit dem Dichter Son, flieht vor einem Alltag aus Ehe, Arbeit, Sex, Cellulitis und politischer Theorie. Sie geht mit dem Marionettenspieler Corman auf eine atemlose Reise voller Verheißungen, vielleicht ans Meer, vielleicht nach Paris.

    Coverabbildung von "Café Hyena"

    Jana Beňová Andrea Reynolds (Übersetzung) - Café Hyena

    Elza und Ian, Rebeka und Lukas Elfman stammen aus Petrzalka, der monströsen Plattenbausiedlung bei Bratislava. Täglich jedoch queren die vier Freunde die Donaubrücke, um im Café Hyena zu sitzen, zu trinken, zu diskutieren, zu schreiben und zu träumen. Sie erfinden sich neu, schaffen ihren eigenen Ort, der frei ist von den Gespenstern der Vergangenheit und den Depressionen der Gegenwart. Und auch wenn dieser selbstgebastelte Kosmos zu zerbrechen droht, weil Elza sich in den Tänzer Kalisto Tanzi verliebt, Elfman aus Bratislava flieht und Rebeka in der Psychatrie landet, so gibt doch keiner von ihnen die Glückssuche auf. Denn die im Café Hyena erschaffene Welt bleibt auch ein Versprechen.