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Peter Henisch

Peter Henisch

Peter Henisch, geboren 1943 in Wien. Studium der Germanistik, Philosophie, Geschichte und Psychologie. Mitbegründer, Liedtexter und Sänger der Gruppe "Wiener Fleisch und Blut" (1975) sowie Mitbegründer der Zeitschrift "Wespennest". Seit 1971 lebt er als freieschwebender Schriftsteller in Wien, Niederösterreich und der Toskana. Erste literarische Veröffentlichung 1971 mit "Hamlet bleibt". 1975 erschien sein Roman "Die kleine Figur meines Vaters" (überarbeitete Neuauflage Residenz 2003), in dem er sich mit der Vergangenheit seines Vaters als offizieller Kriegsfotograf während des Nationalsozialismus auseinandersetzte, das bis heute ein Kultbuch geblieben ist. Musikalisch arbeitet er vor allem mit Woody Schabata und Hans Zinkl zusammen. Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Anton-Wildgans-Preis, Literaturpreis der Stadt Wien. Mit den Romanen "Die schwangere Madonna" (Residenz, 2005) und "Eine sehr kleine Frau" (2007) war Peter Henisch für den Deutschen Buchpreis nominiert. Zuletzt erschienen: "Der verirrte Messias" (2009) "Kaum ein anderer österreichischer Autor macht so wenig Aufhebens von sich; und kaum einer hat die soziale und politische Entwicklung seines Landes in mittlerweile über zwanzig Büchern so präzise beschrieben wie er. Kritik hat er allerdings nie in der landesüblichen Form der rhetorischen Übertrumpfung betrieben, und vielleicht war es diese Tugend, sich der Routine wohlfeiler Empörung zu versagen und stattdessen den empörenden Verhältnissen geduldig auf den Grund zu gehen, die Peter Henisch den gebührenden Erfolg bis heute vorenthalten hat." Karl-Markus Gauß über Peter Henisch. Zuletzt bei Residenz erschienen: "Vom Wunsch, Indianer zu werden" (2012).

Bücher

Steins Paranoia

Peter Henisch - Steins Paranoia

Mit seiner zehnjährigen Tochter betritt Max Stein eine Trafik, um eine Zeitschrift zu kaufen, und hört einen von jenen Sätzen, "die man zu jener Zeit oder wenigstens bald darauf wieder öfter hörte, ohne sie wirklich zu hören". Einen vorerst unwidersprochenen Satz, dem er - das wird ihm bald zur fixen Idee - einen Satz hätte entgegensetzen, dem er hätte widersprechen müssen. Aus der kleinen Öffentlichkeit der Trafik dringt dieser Satz nämlich in eine größere, in eine große Öffentlichkeit hinaus. Eine Entwicklung, deren Zeugen wir werden, nimmt ihren Lauf. Und wer ist schuld an allem? Max Stein ist schuld! Das Persönliche und das Allgemeine, das Tragische und das Komische liegen eng beieinander. Vorerst noch mehr oder minder glücklich verheiratet, zieht sich Stein, immer autistischer, in eine winzige Wohnung zurück. Um, wie der tote Großvater, der als U-Bott bei ihm haust, sagen würde, zu KLÄREN. An dem Ort der ungetanen Tat, des unausgesprochenen Widerspruchs zurückkehrend, lernt Stein schließlich Clarissa kennen, die Frau, die gekommen ist, um sich mit unserer Vergangenheit zu beschäftigen und die angesichts unserer Gegenwart schon ihren Rückflug gebucht hat. Obwohl er sich kaum mehr wohl fühlt in seiner österreichischen Haut, gelingt es Stein nicht, aus dieser Haut zu fahren.

Die kleine Figur meines Vaters

Peter Henisch - Die kleine Figur meines Vaters

Roman

Jetzt, da ich hier sitze und schreibe, die Geschichte meines Vaters, MEINE Geschichte meines Vaters zu schreiben versuche, ist mir zweimal hintereinander der gleiche Tippfehler passiert. Ich möchte, habe ich geschrieben und deswegen zweimal ein neues Blatt in die Schreibmaschine eingespannt, daß du mir MEINE Lebensgeschichte erzählst …

Black Peter's Songbook

Peter Henisch - Black Peter's Songbook

Dies ist das Buch mit den Liedern des "Schwarzen Peter". Am Piano in New Orleans sitzend, wird der Protagonist von Henischs gleichnamigem Roman von den Erinnerungen an sein früheres Leben eingeholt. Im Songbook, sagt Henisch, bin ich so etwas wie der musikalische Stuntman meines Hauptdarstellers. Dieses Statement signalisiert sowohl Identifikation als auch ironische Distanz. Auf der CD realisiert der Autor die Texte gemeinsam mit seinen langjährigen Begleitern, dem Vibraphonisten Woody Schabata und dem Gitarristen Hans Zinkl. Henisch gehört zu den Autoren, die man nicht nur lesen, sondern auch hören sollte. Michael Sowa hat sich mit zwei feinen Bildern in seine Welt einzufühlen versucht.

Kommt eh der Komet

Peter Henisch - Kommt eh der Komet

Drei Vagabunden treffen sich auf der Landstraße. Bei Nestroy hießen sie Leim, Knieriem und Zwirn, hier sind es Scheck, Glasl und Kuli. Ein ausgestiegener Bankangestellter, ein ewiger Student und ein verhinderter Schriftsteller. Und natürlich spielt auch der Komet eine Rolle, der - geht es nach Knieriem bzw. Glasl - unweigerlich mit der Erde zusammenstößt. Die Szenen spielen in Ulm, Paris und Wien, aber auch, nicht zuletzt, in den Köpfen der drei Protagonisten. Von denen hat jeder seine aparte Passion. Scheck leibt seine Peppi, Kuli produziert sich als Reserve-Don Juan, Glasl trinkt und wartet auf den Kometen. Leim, Knieriem und Zwirn waren Handwerksgesellen auf der Wanderschaft - ihre Welt war nicht heil, aber intakt. Scheck, Glasl und Kuli sind Ausbrecher, jeder auf seine Weise geflohen aus der Wirklichkeit, die sowohl kaputt ist als auch kaputt macht. Bei aller Ironie, bei aller Freude an dem vom großen Vorbild inspirierten Sprachspiel, hat Henischs Text seinen bitteren Ernst. Genau die Anpassung an gutbürgerliche Biederkeit, die bei Nestroy zum Happy-End führt, leitet hier die Katastrophe ein.

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